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Finanzielle Stabilität und operative Zuwächse

DRK-Kreisversammlung in Tauberbischofsheim mit Wahlen und Ehrungen

Ein Plädoyer für gesellschaftlichen Zusammenhalt, eine beeindruckende Leistungsbilanz im operativen Geschäft und der erfolgreiche Abschluss einer finanziellen Kraftanstrengung standen im Mittelpunkt der Kreisversammlung des DRK-Kreisverbands Tauberbischofsheim. Im VS-Forum zog die Rotkreuz-Familie eine positive Bilanz des Geschäftsjahres 2025. 

Präsident Reinhard Frank beleuchtete in seiner Begrüßung die aktuelle gesellschaftliche und politische Lage. In Zeiten, in denen der Ton rauer werde, demokratische Werte unter Druck gerieten und Polarisierung zunehme, fungiere das Rote Kreuz als Kompass der Menschlichkeit. Gleichzeitig mahnte er an, das Ehrenamt als Fundament des Katastrophenschutzes nicht durch bürokratische Hürden zu ersticken. Zum „Waterloo“ des Verbands wegen massiver Bauschäden der Kurz- und Tagespflege auf dem Reinhardshof stellte Frank fest, dass Dank des enormen Einsatzes des Teams die Einrichtung nun wieder „unter Volllast“ laufe. Mit dem DRK-Kreisverband Bad Mergentheim werde es keine Fusion geben, sprach er ein weiteres seitens der Presse aufgebrachtes Thema an. Während Tauberbischofsheim eine engere Kooperation, etwa im Rettungsdienst, für sinnvoll erachte, sehe Bad Mergentheim derzeit keine Veranlassung dazu. Die Schwesterverbände arbeiteten aber gut nebeneinander, so Frank.

Einen Einblick in den Bereich des Katastrophenschutzes gab Kreisbereitschaftsleiter Marco Genise in einem Impulsvortrag. Das im Jahr 2025 in Baden-Württemberg verabschiedete neue Katastrophenschutzgesetz bringe die lang ersehnte rechtliche Helfergleichstellung im Ehrenamt. Künftig genießen DRK-Einsatzkräfte bei kurzfristigen Einsätzen und im Katastrophenfall die gleichen Rechte auf Freistellung und Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber wie ihre Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren. Gleichzeitig stellte der Kreisverband seine Einsatzeinheiten strategisch neu auf, um die Einsatzfähigkeit im Taubertal deutlich zu erhöhen. Eine Einsatzeinheit sei nun im Nordkreis verortet, die zweite im Nachbarkreisverband Bad Mergentheim decke den Südkreis ab. Bisher wurden beide Einheiten komplett vom Kreisverband Tauberbischofsheim gestellt. 80 Prozent der Umverteilung seien bereits vollzogen. Ein positives Fazit zog Genise aus der letzten großen, vom Landratsamt angeordneten Katastrophenschutzübung. Sie habe bewiesen, dass die operative Zusammenarbeit mit dem Schwesterverband aus Bad Mergentheim im Ernstfall hervorragend funktioniert.

Berichte der Geschäftsführerin und der Kreisbereitschaftsleiterin

Wie dynamisch sich der Kreisverband entwickelt, untermauerte Kreisgeschäftsführerin Manuela Grau mit Zahlen und Fakten aus dem operativen Betrieb. Die Retter wurden zu insgesamt 8.948 Notfalleinsätzen gerufen, absolvierten 8.441 Krankentransporte und legten mit den Rettungs- und Krankentransportwagen eine Gesamtstrecke von über 675.000 Kilometern zurück. Um die gesetzlichen Vorgaben zur Hilfsfrist noch besser zu erfüllen, wurden die Rettungswachen in Wertheim und Tauberbischofsheim um zusätzliche Vorhaltezeiten im Tagdienst verstärkt. Ein zentraler Meilenstein war zudem die Einführung des Telenotarztes im Rettungsdienstbereich.

Auch abseits der Blaulicht-Infrastruktur verzeichnete der Verband eine steigende Nachfrage. Die ambulante Pflege und die spezialisierte ambulante Palliativversorgung sicherten mit rund 26.000 Hausbesuchen die Würde und Lebensqualität schwerstkranker Menschen in ihrer vertrauten Umgebung. Im Bereich der Breitenausbildung wurden in 385 Erste-Hilfe-Kursen 4.673 Teilnehmerinnen und Teilnehmer geschult. Stark gefordert war der Verband ebenso in der Migrationsberatung sowie in der Koordination der Sprach- und Erstorientierungskurse für Geflüchtete. 

Kreisbereitschaftsleiterin Manuela Döhner lieferte detaillierte Zahlen zu den Bereitschaften, den Helfern vor Ort (HvO) und den absolvierten Ausbildungen. 34 sanitätsdienstliche Absicherungen wurden im letzten Jahr geplant. Es gab zwei Fachdienstausbildungen Sanität mit insgesamt 29 Teilnehmern, einen Helfer-vor-Ort-Lehrgang mit 14 Personen und zwei Einsatzkräfteausbildungen mit 21 Teilnehmern. 19 Helfer-vor-Ort-Gruppen gibt es derzeit im Gebiet des Kreisverbands. 518 Einsätze absolvierten diese Gruppen im vergangenen Jahr. 974 Gesamtstunden leisteten alle beteiligten Helfer hierbei. Als neue Stellvertreter verstärken Michael Goldschmitt und Maximilian Soberger aus Külsheim die Kreisbereitschaftsleitung.

Soziale Wärme und starker Nachwuchs

Eine tragende Säule des Kreisverbandes bleibt die Gemeinschaft Wohlfahrts- und Sozialarbeit unter der Leitung von Herta Wolf. Unterstützt durch die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen Birgit Schreck und Katharina Beuchert sowie Uwe Rennhofer blühten die sozialen Programme regelrecht auf. In 26 aktiven Gruppen für Turnen, Tanzen und Gedächtnistraining hielten 20 qualifizierte Übungsleiterinnen insgesamt 375 Seniorinnen und Senioren in Bewegung – das entspricht über 1.050 geleisteten Kursstunden. Die vier angebotenen Kurse für junge Familien waren mit 41 Kindern restlos ausgebucht. Erfreulich entwickelte sich die Situation in den DRK-Kleiderläden in Wertheim und Tauberbischofsheim. Dort engagieren sich mittlerweile 72 Ehrenamtliche. Die Läden, so Wolf, haben sich zu echten Orten der Begegnung, der Inklusion und der Integration entwickelt.

Auch das Jugendrotkreuz (JRK) blickt auf ein erfolgreiches und dynamisches Jahr zurück, wie Elisa Scheuerlein berichtete. Neben verschiedenen Freizeitaktivitäten investierte das JRK massiv in die Ausbildung des eigenen Nachwuchses: 14 Jugendliche ab 13 Jahren absolvierten erfolgreich die Ausbildung zum Junior-Gruppenleiter. Beim Kreiswettbewerb am Gymnasium in Lauda traten zehn Gruppen gegeneinander an. Die Sieger vertraten den Kreisverband gewohnt erfolgreich auf Landesebene, wo das DRK Tauberbischofsheim traditionell Abonnent auf Plätze unter den Top 10 ist. Das Zeltlager-Team bildete sich zudem in sensiblen Bereichen wie der Aufsichtspflicht, der Prävention sexualisierter Gewalt sowie dem Umgang mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen intensiv weiter. Das anschließende Pfingstzeltlager verzeichnete folgerichtig eine historische Rekordteilnehmerzahl.

Finanzielles „Waterloo“ abgewendet

Der Bericht des scheidenden Schatzmeisters Thomas Englert zeigte, dass der Kreisverband auf einem grundsoliden finanziellen Fundament steht. Die Bilanzsumme stieg leicht auf 18,6 Millionen Euro an, wovon 14 Millionen Euro im Anlagevermögen gebunden sind. Mit einem Eigenkapital von rund 5,6 Millionen Euro und unter Berücksichtigung der öffentlichen Zuschüsse für die Bauprojekte erreicht der Kreisverband eine höchst stabile Eigenkapitalquote von rund 50 Prozent. Dass das Jahresergebnis unterm Strich ein leichtes Minus von 67.000 Euro ausweist, ist einem bewussten Kraftakt geschuldet: Der Verband hat die restlichen Sanierungsaufwände für den schweren Wasserschaden im Kurzzeitpflegezentrum Wertheim komplett verbucht. Damit ist dieses finanzielle Risiko, das in ersten Schätzungen einst auf dreieinhalb bis vier Millionen Euro beziffert worden war, abgewendet. Steuerberater Christoph Pietrek und Wirtschaftsprüfer Jürgen Brinkmann bescheinigten dem Verband eine makellose Buchführung und erteilten das uneingeschränkte Testat. Die Delegierten folgten dem Antrag des stellvertretenden Tauberbischofsheimer Bürgermeisters Gerhard Baumann und entlasteten den Vorstand ohne Gegenstimme. Für das kommende Geschäftsjahr 2026 wurde die Falk GmbH und Co KG erneut als Abschlussprüfer bestellt.

Generationenwechsel im Präsidium und Ehrungen

Satzungsgemäß standen zwei personelle Veränderungen im Präsidium an. Nach dem Ausscheiden von Roland Andre verabschiedete sich auch Schatzmeister Thomas Englert aus seinem Amt. Reinhard Frank dankte Englert dafür, dass er das DRK-Schiff in finanziell anspruchsvollen Zeiten mit hoher Fachkompetenz auf Kurs gehalten habe. Von der Versammlung wurden als neues Präsidiumsmitglied Dr. Tünde Kertész-Szlaninka sowie als Schatzmeister Daniel Hauk gewählt. Ebenso wurden die neun Delegierten sowie deren Ersatzvertreter für die DRK-Landesversammlung nominiert.

Die höchste Auszeichnung des Deutschen Roten Kreuzes auf Kreisebene, die Henry-Dunant-Medaille in Silber, ging für zehn Jahre herausragende Führungsarbeit als Bereitschaftsleiter an den Tauberbischofsheimer Rettungssanitäter Patrick Bach. Gefeiert wurde ein wahres „Rotkreuz-Dino-Ehepaar“ aus Külsheim: Siegfried Hauser, seit 1974 treuer Materialwart und Seele der Blutspendetermine, erhielt die Henry-Dunant-Medaille persönlich. Für seine Ehefrau Sigrid Hauser, die seit 1971 und damit seit 55 Jahren im Ortsverein aktiv ist, nahm die Tochter die Auszeichnung stellvertretend entgegen. Für fünfjährige engagierte Mitarbeit im Präsidium wurden die stellvertretenden Präsidenten Bernd Hartmannsgruber und Dr. Lukas Braun Sowie Justitiar Dr. Bernd Kober mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet. Besonders gewürdigt wurden außerdem zwei Urgesteine, die seit drei Jahrzehnten ununterbrochen die Geschicke des Kreisverbandes im Präsidium mitgestalten: Vizepräsident Wolfgang Vockel und Sozialleiterin Herta Wolf wurden ebenfalls mit der Henry-Dunant-Medaille geehrt. 

In seinem Schlusswort richtete Präsident Reinhard Frank den Blick auf jene, die im Verborgenen Tag und Nacht den Dienst am Nächsten versehen. Es sei genau diese gelebte Verantwortung, so Frank, die aus dieser Organisation eine tragende, menschliche Gemeinschaft mache.

Zahlen & Fakten des Jahres 2025

Rettungsdienst und Ausbildung

  • 8.943 Einsätze wurden durch die Rettungswagen (RTW) absolviert.
  • 2.205 Notarzteinsätze kamen hinzu.
  • 4.760 Krankentransporte wurden durchgeführt.
  • Sieben neue Auszubildende haben die Ausbildung zum Notfallsanitäter begonnen, drei haben diese Ausbildung erfolgreich abgeschlossen.

Pflege und Mobile Dienste

  • 26.207 Hausbesuche leistete die ambulante Pflege.
  • 204 Klientinnen und Klienten wurden dabei betreut.
  • 341 Pflegeberatungen wurden durchgeführt.
  • 504 Menschen nutzten zum Jahresende den Hausnotruf.
  • 100 Personen davon sind Kunden des spezifischen Mobilrufs.
  • 26.334 Mahlzeiten wurden durch den Menüservice ausgeliefert.
  • 72 Essen wurden damit im Schnitt jeden Tag zu den Menschen gebracht.

Migration und Integration

  • 3.326 Beratungsgespräche wurden im Bereich Migration und Integration geführt.
  • 2.339 Schülerinnen und Schüler im Landkreis wurden über die Schulprojekte „Mental Health Coaches“ und „Respect Coaches“ (Stärkung der psychischen Gesundheit, Respekt und Demokratieverständnis) erreicht.

Bildung und Qualifizierung

  • 3.371 Menschen wurden in Erste-Hilfe-Kursen ausgebildet.
  • 702 Teilnehmer besuchten fachspezifische Fort- und Weiterbildungen.
  • 258 Ehrenamtliche wurden für ihre spezifischen Aufgaben qualifiziert.
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